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Koh Kret gehört für mich bis heute zu den schönsten Ausflugszielen von Bangkok aus, nicht, weil dort spektakulär viel passiert, sondern gerade, weil die Insel sich etwas bewahrt hat, das im Großraum Bangkok selten geworden ist.
Ruhe, Zeit und das Gefühl für ein paar Stunden sehr weit weg zu sein von der Millionenstadt. Dabei liegt Koh Kret nur rund 20 Kilometer nördlich von Bangkok. Und genau das macht den Reiz aus. Sie fahren nicht stundenlang hinaus aufs Land. Sie können mit dem Boot einen großen Teil des Weges, den Chao Pra hinauffahren und dabei markante Tempel, alte Häuser und ganz normale Gemeinden am Ufer vorbeiziehen sehen.
Bis heute lebt auf Koh Kret eine Mon-Gemeinschaft. Diese Mon Kultur gibt der Insel ihren besonderen Charakter. Sie sehen das an den Tempeln, an den alten Stelzenhäusern, an den kleinen Süßigkeitsständen, vor allem aber an der Töpferei.
Als ich Koh Kret in den neunziger Jahren zum ersten Mal besuchte, wirkte dort noch vieles stiller, einfacher und auch ein wenig verschlafener. Es gab schöne Tempel, ein wenig von der Zeit gezeichnet, kleine Siedlungen und nur wenige Geschäfte.
Heutzutage ist die Insel deutlich bekannter. Die Wege sind leichter zu gehen. Es gibt mehr Essensstände, mehr kleine Cafés, mehr Kunsthandwerk und am Wochenende auch deutlich mehr Besucher.
Koh Kret ist für mich trotzdem nicht vom Tourismus verdorben. Es ist kein künstlich geschniegelt wirkendes Ausflugsziel geworden. Dafür kommen noch immer sehr viele Thaifamilien hierher.
Wenn sie vom Fähranleger aus weitergehen, merken sie schnell, dass Koh Kret nicht von großen Attraktionen lebt, sondern von vielen kleinen Beobachtungen.
Von den Töpferscheiben, von dem rötlichen Ton des Chao Phraya, von der Keramik, von schmalen Wegen, auf denen keine Autos fahren, von Häusern, Gärten und kleinen Lokalen direkt am Fluss.
Hier sieht man das Handwerk nicht nur im Souvenir Regal, es gibt Werkstätten, in denen bis heute gearbeitet wird und in denen Sie gerne beim Töpfern zuschauen dürfen.
Koh Kret hat zwei Gesichter und genau das macht die Insel für mich so besonders. Wenn Sie die Flussinsel unter der Woche besuchen, erleben Sie die Insel von ihrer ruhigeren Seite. Dann sind viele Wege angenehm leer.
Viele Stände und Restaurants sind dann nicht geöffnet. Aber genau das kann ein Vorteil sein. Sie hören und sehen mehr vom eigentlichen Leben der Insel.
Wenn Sie Koh Kret wie ein Dorf erleben möchten, mit stillen Wegen, flatternder Wäsche und dieser langsamen, fast provinziellen Stimmung, dann kommen sie besser unter der Woche.
Am Wochenende zeigt die Insel dagegen ihr zweites Gesicht. Dann wird Koh Kret zum beliebten Tagesausflugsziel der Bangkok Thais. Es ist voller, lebhafter, kulinarisch, aber auch besonders reizvoll. Es gibt mehr geöffnete Stände und Restaurants zu entdecken.
Dann sind auch meine beiden Lieblingsrestaurants geöffnet, in denen es das berühmte Sommeressen der Mon gibt, Khao Chae. Diese beiden Restaurants empfehle ich auch im Buch.
Wenn Sie gern probieren, schauen und sich treiben lassen, dann ist genau das die richtige Zeit. Die Insel ist nicht laut spektakulär. Sie drängt sich nicht auf.
Sie funktioniert über Stimmung, über den Duft von frittierten Snacks und süßen Mon Spezialitäten, über einen kurzen Stopp in einem kleinen Restaurant am Wasser, wo sie einfach sitzen und dem Fluss zusehen.
Gerade deshalb ist Koh Kret für mich bis heute so ein schönes Ziel geblieben.
Die Insel hat sich verändert, natürlich. Sie ist bekannter geworden, an manchen Stellen auch touristischer. Aber ihr Kern ist immer noch da.
Die Mon Kultur, die Töpferei, die Tempel, die Ruhe abseits der Marktgassen.
Und dieses seltene Gefühl, dass Bangkok plötzlich ganz weit weg ist, obwohl es eigentlich nur eine gute Stunde entfernt ist.

