Audio Transkript
Teil 1: A-D
Station A – Villa de Pranakorn
Wir beginnen an der Nordostseite des Rommaneenat Parks, direkt am Hotel Villa de Pranakorn. Das charmante Boutique-Hotel gehört zu meinen persönlichen Favoriten in Bangkoks Altstadt. Mehr dazu finden Sie auch im Buch. Schon an dieser Ecke des Parks wird sichtbar, wie ungewöhnlich die Geschichte dieses Ortes ist. Wo heute Spaziergänger unter Bäumen flanieren, stand einst eines der modernsten Gefängnisse Thailands: das Klong Prem Gefängnis.
Ende des 19. Jahrhunderts wurde es nach europäischen Vorbildern errichtet, insbesondere nach Modellen aus London. Fast ein Jahrhundert lang blieb es in Betrieb, bevor es 1987 wegen chronischer Überfüllung geschlossen und verlegt wurde.
Station B – Der Rommaneenat Park
Beim Spaziergang durch den Park lohnt sich ein Blick auf den ehemaligen Zellentrakt.
Die kleinen Zellen machen schnell deutlich, wie beengt die Bedingungen hier gewesen sein müssen. Gleichzeitig sorgten die Gitterwände zumindest für etwas Luftzirkulation in der drückenden Hitze Bangkoks.
Dass aus diesem Gelände kein weiteres Bauprojekt entstand, sondern ein öffentlicher Park, ist für die Stadt ein echter Glücksfall. Zu Ehren von Königin Sirikit wurde hier eine grüne Oase geschaffen, die heute bei Anwohnern besonders beliebt ist. Direkt hinter dem ehemaligen Zellentrakt befindet sich außerdem eines der besten Freiluft-Fitnessstudios der Stadt.
Eine Besonderheit des Parks sind die zahlreichen Tische und Sitzgruppen. Perfekt für eine kleine Pause oder ein Picknick – und genau dafür kommt jetzt meine nächste Empfehlung.
Station C – Jack's Chicken Rice
Wenn ich nur ein einziges klassisches Streetfood-Gericht empfehlen dürfte, dann wäre Khao Man Gai – Thailands Variante des berühmten Hainan Chicken Rice, in meiner engeren Auswahl.
Die Zubereitung klingt zunächst einfach. Hühnerknochen werden stundenlang mit Ingwer, Knoblauch und Gewürzen ausgekocht. Ein Teil der aromatischen Brühe dient später zum Garen des Reises. Dazu kommen zart gekochte Hühnerstücke, eine würzige Sauce und natürlich eine kleine Schale der kräftigen Brühe. Doch wie so oft steckt die Magie im Detail.
Was Jack hier jeden Morgen zubereitet, ist für mich nahezu perfekt. Deshalb mein Tipp: Kommen Sie möglichst früh. Dann ist alles frisch und die Auswahl noch groß.
Seine kleine Garküche an der Ecke des Parks gehört für mich zu den besten Streetfood Adressen der Stadt.
Gut gestärkt geht es weiter zur
Station D – dem Wat Suthat
Wenn Ihnen der berühmte Wat Pho zu touristisch, zu überfüllt erscheint, werden Sie diesen Tempel lieben.
Wat Suthat gehört zu den bedeutendsten Tempelanlagen Bangkoks und gilt für viele Thailänder als religiöses Herzstück der Altstadt.
Hier begegnen Sie noch Mönchen bei ihrem Alltag.
Sie können Sie z.B. beim Studium religiöser Texte unter den langen Kollonaden oder auf dem Weg zu ihren Gebeten sehen.
Ich setze mich hier oft einfach in den Innenhof und beobachte das Leben im Tempel. Nach wenigen Minuten stellt sich eine Ruhe ein, die in Bangkok selten geworden ist.
Besonders sehenswert ist der große Ubosot, die Ordinationshalle. Die Wandmalereien zählen zu den schönsten in ganz Thailand. Vom Boden bis zur Decke erzählen sie Geschichten aus dem Leben Buddhas und aus der thailändischen Mythologie.
Jedes Mal entdecke ich dort neue Details. Und freu mich dann, dass die aufwendige Restaurierung vor wenigen Jahren auch von Deutschland unterstützt wurde.
Vor dem Tempel erhebt sich eines der bekanntesten Wahrzeichen der Altstadt:
Station E – Die Riesenschaukel
Die mächtigen rot angemalten Teakholzpfosten wirken heute fast etwas verloren auf dem großen Platz. Doch über viele Generationen hinweg standen sie im Mittelpunkt einer spektakulären Zeremonie.
Jedes Jahr, während eines brahmanischen Festes, wagten sich junge Männer auf ein schmales Brett, das an der Schaukel befestigt war. Durch immer stärkere Bewegungen schwangen sie sich höher und höher, bis sie schließlich rund fünfzehn Meter über dem Boden versuchten, mit den Zähnen einen kleinen Beutel mit Silbermünzen zu erreichen.
Ein gefährliches Spektakel.
Immer wieder kam es zu schweren Unfällen, manche Teilnehmer verloren dabei ihr Leben. 1935 wurde die Zeremonie endgültig verboten.
Heute erinnert die Riesenschaukel als nationales Kulturdenkmal an diese außergewöhnliche Tradition.
Damit endet der erste Teil unseres Spaziergangs.
Wenn Sie jetzt erschöpft sind oder durstig. Rechts am Platz sehen sie das moderne Chingcha Hostel. Dort oben im 6. Stock finden Sie eine preiswerte Sky Bar mit herrlichem Ausblick. Genau richtig zum Abschluss. Oder aber für einen Zwischenstopp vor Teil 2 unseres Spaziergangs.
Teil 2: F - J
Nach so viel Geschichte und Kultur wird es Zeit für die kulinarische Seite Bangkoks.
Station F – Das Gingerbread House
Überqueren Sie den großen Platz und gehen Sie links in die Soi Lang Bot Phram.
Schon nach wenigen Metern entdecken Sie auf der rechten Seite, verborgen hinter einem alten Baum, eines der schönsten historischen Häuser der Altstadt. Das sogenannte Gingerbread House.
Der Name bedeutet zwar „Lebkuchenhaus", hat aber nichts mit dem Märchen der Gebrüder Grimm zu tun. In Thailand bezeichnet er vielmehr einen besonderen Architekturstil mit aufwendigen Holzverzierungen.
Das mehr als hundert Jahre alte Teakholzhaus wurde liebevoll restauriert und in ein außergewöhnliches Café verwandelt. Jeder Raum erzählt seine eigene Geschichte. Familienfotos, Antiquitäten und Erinnerungsstücke lassen das alte Siam wieder lebendig werden. Nehmen Sie sich Zeit. Schlendern Sie durch die Räume auf beiden Etagen und genießen Sie die besondere Atmosphäre.
Mein Lieblingsplatz befindet sich im halbrunden Erker im Erdgeschoss mit Blick auf die Straße. Dort bestelle ich gerne eine Auswahl traditioneller thailändischer Desserts mit einem kühlen Thai-Eistee. Was dann serviert wird, gleicht kleinen Kunstwerken: farbenfrohe Süßspeisen, kunstvoll arrangiert, gekrönt von einer perfekt aufgeschnittenen Mango – der Königin unter Thailands Desserts.
Allein dafür lohnt sich der Besuch.
Station G – Die Swing Bar
Zurück am großen Platz fällt Ihr Blick auf die gegenüberliegende Seite. Dort befindet sich die Swing Bar im Ching Cha Hostel.
Von außen wirkt das Gebäude eher unscheinbar. Doch wer die schmale Treppe bis in den sechsten Stock erklimmt, wird reich belohnt. Vor Ihnen liegt einer der schönsten Ausblicke der Altstadt. Sie sehen den Wat Suthat, die Riesenschaukel und die Dächer des historischen Bangkoks. In der Ferne glitzern die Brücken über dem Chao Phraya.
Ich sitze hier am liebsten direkt an der Balustrade, mit einem kalten Getränk und ein paar kleinen Thai Snacks. Kein Dresscode, keine überzogenen Preise – dafür eine Aussicht, die man so schnell nicht vergisst.
Station H – Kope Hya Tai
Wenn Sie morgens unterwegs sind, möchte ich Ihnen noch einen besonderen Frühstückstipp geben. Direkt an der Ecke des Platzes befindet sich das traditionsreiche Kope Hya Tai.Hier können Sie ausprobieren, wie viele thailändische Familien ihren Tag beginnen. Besonders beliebt ist Kai Kra Ta: zwei Spiegeleier, serviert in einer kleinen Pfanne, dazu würziges Hackfleisch und weitere herzhafte Zutaten. Ein einfaches Gericht – aber genau die Art von Frühstück, mit der man bestens in den Tag startet.
Station I – Jay Fai
Nur wenige Gehminuten entfernt befindet sich eine Legende der internationalen Streetfood-Szene.
Jay Fai.
Sie war die erste Streetfood-Köchin der Welt, die mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet wurde. Obwohl sie mittlerweile über achtzig Jahre alt ist, steht sie oft noch selbst am Wok. Ihr Markenzeichen kennen viele Menschen sogar außerhalb Thailands: die große Ski-Brille, die sie beim Kochen vor Hitze und Funken schützt. Berühmt wurde sie vor allem durch ihr legendäres Krebs-Omelett. Internationale Fernsehshows, Food-Blogger und Hollywood-Stars haben Jay Fai längst entdeckt. Entsprechend lang sind die Warteschlangen geworden. Und günstig ist der Besuch ebenfalls nicht. Ein Omelett kostet derzeit rund 40 €.
Doch wer bereit ist zu warten und etwas tiefer in die Tasche zu greifen, erlebt hier eines der berühmtesten Streetfood-Gerichte Asiens.
Station J – Thipsamai
Unsere letzte Station ist weniger spektakulär, aber kulinarisch mindestens genauso interessant. Das Thipsamai gilt für viele als die beste Adresse für Pad Thai in Bangkok. Pad Thai entstand erst vor rund achtzig Jahren und gehört längst zu den beliebtesten Gerichten des Landes. Die genaue Geschichte erzähle ich Ihnen in Audio 23.
Was hier auf den Teller kommt, überzeugt durch hervorragende Zutaten und perfekte Zubereitung. Besonders angenehm für viele europäische Besucher: Pad Thai ist normalerweise nicht scharf und damit ein idealer Einstieg in die thailändische Küche. Wenn möglich, kommen Sie zwischen zehn und elf Uhr vormittags. Dann ist der Andrang meist noch überschaubar. Und falls Sie nicht extra hierherfahren möchten: Eine Filiale finden Sie auch im Siam Paragon Shopping-Center.
Damit endet unser Spaziergang rund um den Rommaneenat Park.
Vielleicht haben Sie unterwegs etwas Neues über die Geschichte Bangkoks gelernt. Vielleicht haben Sie auch neue Lieblingsgerichte entdeckt. Das würde mich besonders freuen!
