Benjakitti Park
Er ist Bangkoks nachhaltigster Park und ein Modell für viele andere asiatische Städte, die ebenfalls mit Hochwasser zu kämpfen haben. Der 2022 erweiterte Benjakitti ist so angelegt, dass er auch die Artenvielfalt in der Stadt deutlich erhöht.
Dauer: ca. [4:20]
Stand: April 2026
Audio-Transkript
Seit der Eröffnung des erweiterten Parks 2022 gehe ich gerne am frühen Morgen in den Benjakitti.
Tagsüber ist es mir dort zu heiß, da im neuen Teil nur wenige Bäume Schatten spenden. Kurz nach Sonnenaufgang liegt oft noch leichter Dunst über den vielen Wasserflächen. Die Temperaturen sind angenehm und das Tierleben ist jetzt besonders aktiv.
Vor allem die vielen Wasservögel fallen auf. Reiher stehen bewegungslos an den flachen Ufern, Eisvögel schießen über die Kanäle und überall hört man Vogelrufe statt Verkehrslärm.
Auch die großen Wasserwarane lassen sich morgens besonders gut beobachten. Oft liegen sie ruhig an den Wegen oder sonnen sich an den Ufern. Manche schwimmen langsam direkt unter den Skywalks hindurch.
Und all das existiert nicht zufällig.
Das Tierleben ist direkte Folge des Wasserkonzepts, das man bei der Planung dieses großen Parks entwickelt hat.
Die Feuchtgebiete, flachen Uferzonen und die dichte Vegetation schaffen genau jene Lebensräume, die in vielen Großstädten längst verschwunden sind.
Denn der Benjakitti ist nicht einfach nur eine schöne Grünanlage.
Eigentlich ist er eine riesige Wasserklima- und Naturmaschine.
Bangkok hat seit Jahrzehnten ein massives Problem mit Überschwemmungen. Die Stadt liegt extrem flach. Viele Flächen sind komplett versiegelt.
Rund die Hälfte des früher fast 2000 Kilometer langen Kanalsystems wurde in den vergangenen 100 Jahren zugeschüttet oder mit Straßen überbaut. Dadurch konnte während des Monsuns das Regenwasser deutlich schlechter abfließen Überschwemmungen in Bangkoks Straßen gehören deshalb bis heute zum Alltag.
Ich habe es oft während der Regenzeit erlebt, dass nach einem heftigen, halbstündigen Regenguss die Straßen fast überall im Stadtgebiet bis zu einem halben Meter unter Wasser standen.
Bei der Schaffung des großen Benjakitti Parks hat man deshalb einen völlig anderen Ansatz gewählt. Er wurde in eine sogenannte Sponge-City-Landschaft verwandelt, also in eine Landschaft, die sich wie ein Schwamm verhält. Regenwasser wird hier nicht einfach abgeführt.
Es wird gesammelt, gespeichert, gefiltert und langsam wieder abgegeben Der Park kann dabei riesige Mengen Wasser aufnehmen.
Bei Starkregen laufen bestimmte Bereiche sogar bewusst kontrolliert voll, damit umliegende Straßen und Viertel geschützt bleiben. Und genau das hat in den vergangenen Jahren bereits sichtbar funktioniert.
Die Wasserflächen, Feuchtgebiete, bepflanzen Kanäle und Terrassen, sind gleichzeitig Hochwasserschutz und biologische Wasserreinigung. Das Wasser sickert langsam durch verschiedene Bodenschichten, Pflanzenwurzeln, Mikroorganismen und Feuchtgebiete reinigen es dabei ganz natürlich, ähnlich wie in einem natürlichen Sumpf. Dadurch entsteht sogenanntes Brauchwasser und genau dieses Wasser wird im Park bereits aktiv genutzt. Zur Bewässerung der gesamten Grünflächen, zur Versorgung der Wasserlandschaften und zur Kühlung des Mikroklimas.
Der Park benötigt dadurch kaum noch normales Leitungswasser.
Sogar belastetes Wasser aus dem benachbarten Stadtkanal wird hier gereinigt und wieder in den Wasserkreislauf des Parks integriert. Der gesamte Park funktioniert dadurch fast wie ein geschlossenes, natürliches Reinigungssystem mitten in Bangkok. Und genau deshalb entstand hier plötzlich neuer Lebensraum für Tiere.
Deshalb komme ich auch gerne am frühen Abend hierher, wenn es laut wird von den erwachenden Kröten und den zahlreichen Vögeln. Dann herrscht eine ganz andere Stimmung im Park.
Die tiefstehende Sonne taucht die Wasserflächen in goldenes Licht.
Vom erhöhten Skywalk aus entstehen spektakuläre Ausblicke über die Seenlandschaft und die Skyline Bangkoks.
Und dazu die zahlreichen Tiere hören und beobachten zu können. Viel schöner kann ein Abend in Bangkok kaum beginnen.
