Songkran - Ein Fest mit zwei Gesichtern 

Für die meisten Touristen ist das thailändische Neujahrsfest in Bangkok eine gigantische Wasserschlacht. Diese konzentriert sich an einigen touristischen Hotspots in der Stadt. Das kann großen Spaß machen. Daneben gibt es das traditionelle Songkran-Fest, bei dem Wasser ebenfalls eine zentrale Rolle spielt. Es hat aber auch eine tiefere Bedeutung.

Dauer: ca. [4:11] 

Stand: April 2026





Audio-Transkript

34) Songkran

Songkran habe ich öfters in Bangkok erlebt, auch mitten in den großen Wasserschlachten rund um die Silom Road oder die Khaosan Road.

Und ja, das macht erst einmal tatsächlich Spaß.

 

Wenn plötzlich von allen Seiten Wasser kommt, Pick-up Trucks mit riesigen Tanks durch die Straßen fahren und selbst Erwachsene wieder wie Kinder mit Wasserpistolen unterwegs sind. Manche stehen stundenlang am Straßenrand und warten auf den nächsten Vorbeifahrenden, den sie komplett durchnässen können. Es läuft Musik aus riesigen Lautsprechern, Straßen werden gesperrt und ganze Viertel wirken für kurze Zeit wie eine einzige große Freiluftparty.

 

Die großen Wasserschlachten an den touristischen Hotspots sind allerdings Inszenierungen, die vor allem Besucher anlocken sollen, die rund um Songkran ins Land kommen.

 

Das eigentliche thailändische Neujahrsfest spielt sich oft ganz woanders ab, nicht dort, wo es am lautesten ist, sondern in Tempeln, Wohnvierteln und im ganz normalen Alltag der Stadt, was viele Besucher überrascht.

 

Auch im ganz normalen Alltag gehört Songkran plötzlich dazu. Vor Supermärkten, Restaurants, kleinen Straßenläden. Die Mitarbeiter bleiben kurz stehen, gießen etwas Wasser über eine Buddha Figur im Eingangsbereich und arbeiten anschließend weiter. Genau daran merkt man, wie tief dieses Fest im Leben der Menschen verankert ist.

 

Das vorsichtige Übergießen der Budd-Figuren ist ein traditioneller Brauch.

Wasser steht dabei nicht nur für Spaß, sondern auch für Reinigung, Respekt und einen guten Start ins neue Jahr. Anders als auf den Partymeilen geht es hier nicht um möglichst große Wasserschlachten, sondern um eine ruhige, symbolische Handlung.

 

Hinzu kommen familiäre Rituale, die Besucher meistens gar nicht mitbekommen, nicht weil sie versteckt werden, sondern weil sie innerhalb der Familien stattfinden. Jüngere gießen älteren Familienmitgliedern vorsichtig Wasser über die Hände, oft Jasmin Wasser mit Blütenblättern.

Dabei geht es um Respekt, um Segen, um einen bewussten Übergang ins neue Jahr.

 




Auf der Straße bekommt man davon nur wenig mit. Dort sieht man eher die öffentliche Seite von Songkran.

 

Vor vielen kleinen Bars sitzen ältere Leute mit Plastikstühlen im Schatten und beobachten das Treiben. Kinder stehen mit Wassereimern am Straßenrand und warten auf den nächsten vorbeifahrenden. Daneben laufen die Garküchen ganz normal weiter. Irgendwo wird gegrillt, daneben verkauft jemand Obst oder Eiskaffee und gleichzeitig ziehen kleine Gruppen lachender Kinder mit Wasserschalen durch die Straßen.

 

Genau diese Mischung finde ich in Bangkok während Songkran besonders interessant.

 

Auf der einen Seite herrscht Ausnahmezustand mit riesigen Wasserschlachten, auf der anderen Seite geht der Alltag erstaunlich normal weiter. Während auf die großen Partyachsen Touristen mit Wasserkanonen unterwegs sind, sitzen nur ein paar Straßen weiter Familien vor ihren Häusern und beobachten das Geschehen.

 

Das ist keine Folklore für Besucher, sondern bis heute ein wichtiger Teil der kulturellen Identität. Deshalb bevorzuge ich mittlerweile die ruhigeren Viertel abseits der großen Partyachsen, besonders rund um kleinere Tempel auf der Thonburi-Seite, also westlich des Chao Phraya lässt sich gut beobachten, wie selbstverständlich Son Kran zum Alltag gehört.

 

Natürlich bleibt man auch dort selten trocken, aber meistens läuft alles deutlich entspannter ab als an den bekannten Hotspots.

 

Oft sind es kleine Gesten, etwas Wasser aus einer Schale Kinder, die lachend mit kleinen Eimern am Straßenrand stehen und schüchtern fragen, ob sie dem Fremden etwas weiße Farbe ins Gesicht schmieren dürfen.

 

Gerade diese ruhigeren Szenen sagen oft mehr über Songkran aus, als die großen Wasserschlachten auf den Touristenstraßen.

 

Das ist Thailand, wie ich es liebe.