Loy Krathong: Mein Lichterfest
Für mich gehört es zu den schönsten Festen in Thailand. Alljährlich im November werden landauf, landab kleine Flöße aus Bananenblättern gebastelt. Abends werden sie auf Flüssen, Teichen und im Meer zu Wasser gelassen, um die Sorgen des vergangenen Jahres mit auf die Reise zu geben. In normalen thailändischen Familien wird es ganz anders gefeiert: nicht als Lichtspektakel, sondern mit einer tieferen Bedeutung.
Dauer: ca. [3:16]
Stand: April 2026
Audio-Transkript
Mein erstes Loy Krathong Fest habe ich im Benjasiri Park an der Sukhumvit Road erlebt.
Der Besitzer meiner Unterkunft am Washington Square hatte mir diesen Platz empfohlen. Ich hatte ihn nach einem schönen Ort gefragt, um das zu Wasser lassen der Krathongs zu beobachten.
Dieser Abend ist mir bis heute unvergesslich geblieben. Vor allem wegen eines kleinen Mädchens, vielleicht zehn Jahre alt, zusammen mit seiner Mutter. Beide trugen traditionelle Thai-Kostüme.
Im Gedränge der vielen Menschen, die einen Krathong auf dem Parksee absetzen wollten, wirkte das Mädchen völlig versunken. Ganz in sich gekehrt, achtete sie nur auf das kleine Floß in ihren Händen, aus Bananenblättern kunstvoll gefaltet, mit einer brennenden Kerze und wunderschönen Blüten geschmückt.
Ihre Mutter half ihr dann behutsam, den Karton ins Wasser zu setzen.
In diesem Moment habe ich verstanden, wofür Loy Krathong wirklich steht .
Für die ganz normalen Thais bedeutet es, mit dem Fluss sollen Sorgen und Nöte, Verfehlungen und Enttäuschungen des vergangenen Jahres davon treiben. Platz machen für einen Neubeginn. Dann ist Loy Krathong kein Spektakel mehr, sondern ein tief im buddhistischen Volksglauben verwurzeltes Fest .
Aber es gibt auch eine andere Seite dieses Festes in Bangkok.
Das große offizielle Lichterfestes: Dort, wo sich die Touristen treffen.
Vorne am Chao Phraya ein riesiges Lichtermeer, Hotels mit Gala Diners, Feuerwerk, Musik, Bühnenprogrammen, gewaltigen Menschenmengen.
Einkaufszentren wie Asiatique oder Icon Siam, die bekannten Piers, alles glänzt, alles leuchtet, alles wirkt wie eine perfekt inszenierte Postkarte aus Thailand. Musik aus tragbaren Boxen, billige Kartons aus Massenproduktion, völlig überteuert an Touristen verkauft. Eine einzige große Party, perfekte Instagram-Motive.
Und trotzdem finde ich auch das erlebenswert, wenn tausende kleine Lichter gleichzeitig aufs Wasser gesetzt werden, hat das etwas wirklich Magisches.
Die Krathongs auf dem Chao Paya treiben zu sehen, ist schon etwas Besonderes .
Aber es lohnt sich eben auch, dieses ursprüngliche Lichterfest gemeinsam mit den Einheimischen zu erleben.
Fragen Sie einfach an Ihrem Hotel oder ein Taxifahrer, wo in der Nähe ganz unspektakulär gefeiert wird, wo die Familien aus der Nachbarschaft am Abend mit ihren Kartons hingehen. Sie werden dort fast immer kleine Tische finden, an denen handgefertigte Kartons verkauft werden.
Trauen Sie sich, kaufen Sie so ein kleines Lichterfloß, zünden Sie die Kerze an und setzen Sie es aufs Wasser.
Lassen Sie damit auch Ihre eigenen Sorgen davonschwimmen, gemeinsam mit den einfachen Familien aus der Nachbarschaft.
Ich mache das jedes Mal und jedes Mal ist es für mich etwas Besonderes.
